Drei farbige Gesichtsmasken in Gelb und Orange, mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken, sind über einem Kopf platziert.

Stimmverarbeitung und Gehirnaktivität

Teilnehmende für eine Studie gesucht

Leiden Sie oder jemand, den Sie kennen, darunter, Stimmen zu hören – einer Form der akustischen Halluzination?

Viele Menschen machen im Laufe ihres Lebens die Erfahrung, Stimmen zu hören, die andere um sie herum nicht wahrnehmen können. Für manche ist das gut zu bewältigen, für andere kann es jedoch sehr belastend sein. Die Stimmen können in manchen Situationen Angst machen, verunsichern oder sehr störend sein und es dadurch schwer machen, den Alltag so zu leben, wie man es sich wünscht.

Stimmen zu hören ist eine häufige, aber oft missverstandene Erfahrung. Fast jede zehnte Person erlebt dies irgendwann im Leben (Maijer et al., 2017). Derzeit suchen wir Teilnehmende für eine Studie, die von der Universität Leipzig und dem Universitätsklinikum Leipzig durchgeführt wird.

Was ist Stimmenhören?

Als Stimmenhören (auch akustische Halluzinationen genannt) bezeichnet man das Phänomen, eine oder mehrere Stimmen zu hören, die andere Menschen nicht wahrnehmen können. Stimmen können sehr unterschiedlich klingen: wie die eigene Stimme, wie die einer bekannten Person, aber auch sehr fremd oder sogar nicht-menschlich. Sie können flüstern oder schreien, sich wie „im Kopf“ anfühlen oder wie von außen kommend. Dabei ist Stimmenhören nicht automatisch ein Zeichen einer psychischen Erkrankung. Viele Menschen fühlen sich durch ihre Stimmen nicht gestört oder erleben sie sogar als hilfreich. Erst wenn Stimmen belastend sind, sprechen wir von einer behandlungsbedürftigen Situation. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Stimmen beleidigend sind, Angst machen, zu Dingen auffordern, die man nicht tun möchte, oder den Alltag stark beeinträchtigen. Solche Erfahrungen gehen oft mit Angst, Hilflosigkeit oder Scham einher und können die Lebensqualität deutlich einschränken.

Außerdem zeigen Studien, dass bei Stimmenhörenden ähnliche Gehirnregionen aktiv sind wie beim Hören echter Stimmen (Dierks et al., 1999). Das heißt: Für das Gehirn fühlen sich die Stimmen sehr real an, auch wenn keine äußere Schallquelle da ist. Deshalb sind diese Erfahrungen oft so überzeugend und emotional belastend. Gleichzeitig gibt es auch Studien, die keine Aktivierung der klassischen Hörzentren finden, sondern vor allem Aktivität in Sprach- und Denknetzwerken des Gehirns zeigen (Fuentes-Claramonte et al., 2021). Das zeigt, dass noch nicht vollständig verstanden ist, wie genau Stimmen im Gehirn entstehen. Diese Lücken in der Forschung möchten wir mit unserer Studie besser verstehen, um die Symptome und ihre neuronalen Grundlagen genauer zu erklären.

Worum geht es in der Studie?

Die aktuelle Forschung hat bereits einige Gehirnregionen identifiziert, die mit dem Hören von Stimmen zusammenhängen. Dennoch verstehen wir noch nicht genau, warum manche Stimmen als „intern“ (aus dem eigenen Inneren) und andere als „extern“ (von außen kommend) erlebt werden, und warum die Beziehung zu den Stimmen bei manchen Menschen besonders belastend ist.

Was wir erreichen wollen:

  • Wir möchten besser verstehen, wie sich intern und extern erlebte Stimmen im Gehirn unterscheiden und wie die Beziehung zwischen den Betroffenen und ihren Stimmen aussieht. Dafür nutzen wir die Elektroenzephalographie (EEG*). *EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns über kleine Elektroden auf der Kopfhaut. Die Methode wird seit vielen Jahren eingesetzt, ist schmerzfrei, ohne Nebenwirkungen und mit keinen bekannten Risiken verbunden.
  • Dieses Wissen möchten wir nutzen, um neue Therapieansätze zu entwickeln, zum Beispiel eine VR-basierte Therapie, die dabei helfen soll, mehr Kontrolle über die Stimmen zu erlangen und besser mit ihnen umzugehen.
  • Langfristig möchten wir so zu einer besseren Diagnose und individuelleren Behandlung beitragen, basierend auf messbaren Gehirnaktivitätsmustern („neuronalen Markern“).

Ablauf der Studie

Die Studie umfasst drei Untersuchungstage:

  • Erste Sitzung (ca. 2 Stunden): psychologische und neurologische Testungen mit Hilfe von strukturierten Interviews und Fragebögen
  • Zweite Sitzung (ca. 2,5 Stunden): Audioaufnahme Ihrer Stimme und einfache Verhaltensexperimente zur Stimmverarbeitung
  • Dritte Sitzung (ca. 2,5 Stunden): EEG-Experimente, bei denen Sie sich Geräusche und Geschichten anhören und einfache Aufgaben absolvieren werden

*Die Sitzungen wurden aufgeteilt, um Ermüdung zu vermeiden. Falls Sie sich fit fühlen und es wünschen, können wir auch mehrere Sitzungen direkt nacheinander durchführen.

Warum mitmachen?

  • Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft und zur Erforschung der Stimmverarbeitung im Gehirn, und tragen dazu bei, potenzielle Therapie-Ansätze zu entwickeln.
  • Sie erhalten eine Aufwandsentschädigung von 12€ pro Stunde, insgesamt circa 80–100 €, wenn Sie alle drei Sitzungen absolvieren

Wen suchen wir?

Teilnehmen können Sie, wenn:

  • Sie eine Störung im Schizophrenie-Spektrum und/oder andere psychotische Störungen haben*,
  • und/oder Sie Stimmen hören, die zu Ihnen sprechen, obwohl andere sie nicht hören können.
  • Sie zwischen 18 und 55 Jahren sind
  • Deutsch Ihre Muttersprache ist
  • keine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit besteht
  • keine schweren Hörkrankheiten, kein signifikanter Hörverlust oder Tinnitus vorliegen
  • Sie haben keine Dreadlocks oder Cornrows (auf solche und ähnliche Frisuren passt die EEG-Kappe nicht), kein Metall oder elektronischen Geräte im Kopf (Neurostimulator, Cochleaimplantat, etc.).

*Für die Diagnose benötigen wir eine offizielle Bescheinigung/Bestätigung, bspw. durch Ihren Arzt oder Psychotherapeuten. Die vollständigen Ein- und Ausschlusskriterien erfahren Sie, wenn Sie uns kontaktieren.

** Wir suchen auch gleichzeitig eine Kontrollgruppe, die keine Vorgeschichte mit neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen hat. Für weitere Informationen können Sie uns gerne kontaktieren.

Wie können Sie teilnehmen?

Falls Sie Interesse an der Teilnahme haben oder weitere Informationen benötigen, kontaktieren Sie uns gerne:
Suong Welp (Leitende Studienkoordinatorin)

Wir freuen uns, Ihre Erfahrung zu hören und davon zu lernen!

 

Zur Redakteursansicht