Leiter

PD Dr. Stefanie Hoehl
PD Dr. Stefanie Hoehl
Forschungsgruppenleiterin
Telefon: +49 341 9940-2468

Selbstständige Forschungsgruppen

Max-Planck-Forschungsgruppe "Entwicklung sozialer Kognition"

Die frühe Kindheit stellt ein entscheidendes Zeitfenster für die gesunde soziale und kognitive Entwicklung dar. Besonders wichtig ist es für Babys und Kleinkinder, mit anderen Menschen in Kontakt zu sein, zu kommunizieren und von anderen zu lernen. In der Forschungsgruppe "Entwicklung Sozialer Kognition" gehen wir der Frage nach, wie sich sozial-kognitive Fähigkeiten wie das Handlungsverständnis und die soziale Aufmerksamkeitslenkung in den ersten Lebensjahren entwickeln. Im Zentrum steht die Frage, wodurch soziales Lernen in der Kindheit beeinflusst wird und wie wir es unterstützen können.

Zur Untersuchung dieser Themen verwenden wir unterschiedliche methodische Ansätze aus der Verhaltens- und neurowissenschaftlichen Forschung. Beispielsweise setzen wir interaktives Eye Tracking, EEG sowie Verhaltensbeobachtungen ein.

(1) Wie lernen Kleinkinder in sozialen Interaktionen?

Wenn Menschen miteinander kommunizieren stimmen sie sich unbewusst aufeinander ab. Sie passen ihr Verhalten, ihre Gestik und Mimik und – wie aktuelle Studien zeigen – sogar ihre rhythmische Gehirnaktivität aneinander an. Miteinander auf "einer Wellenlänge" zu sein, könnte für erfolgreiche Kommunikation fundamental wichtig sein. Trifft das aber auch auf Kinder zu? Findet auch zwischen Kindern und Erwachsenen eine Abstimmung im Verhalten und auf neuronaler Ebene statt und hängt davon ab, ob das Kind in der Interaktion etwas lernt? Im zentralen Forschungsprojekt der Gruppe untersuchen wir soziales Lernen in dynamischen Live-Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen. Wir gehen der Frage nach, welche Mechanismen soziales Lernen in der frühen Entwicklung bedingen und wie wir Kinder und ihre Bezugspersonen dabei unterstützen können.


Publikationen


Hoehl, S.; Michel, C.; Reid, V. M.; Parise, E.; Striano, T.: Eye contact during live social interaction modulates infants’ oscillatory brain activity. Social Neuroscience 9 (3), S. 300 - 308 (2014)
Pauen, S.; Träuble, B.; Hoehl, S.; Bechtel, S.: Show me the world: Object categorization and socially guided object learning in infancy. Child Development Perspectives 9 (2), S. 111 - 116 (2015)

(2) Wie lenken Babys ihre Aufmerksamkeit?

Babys orientieren sich schon kurz nach der Geburt in Richtung anderer Menschen. Dies ist wichtig, um erste Beziehungen zu den Bezugspersonen aufzubauen, hilft dem Säugling aber auch, die vielfältigen neuen Sinneseindrücke zu strukturieren und seine begrenzten Aufmerksamkeitsressourcen auf Dinge zu lenken, die bedeutsam sind. Wir untersuchen mittels Eye Tracking, welche Reize die Aufmerksamkeit von Babys besonders effektiv auf Gegenstände und Ereignisse in der Umgebung lenken. Dabei interessieren uns vor allem die Mechanismen und Entwicklungsprozesse, die dazu führen, dass soziale Hinweisreize wie z. B. Augen von Babys in besonderem Maße beachtet werden.


Publikationen


Michel, C.; Stets, M.; Parise, E.; Reid, V. M.; Striano, T.; Hoehl, S.: Theta- and alpha-band EEG activity in response to eye gaze cues in early infancy. NeuroImage 118, S. 576 - 583 (2015)
Hoehl, S.; Wahl, S.; Pauen, S.: Disentangling the effects of an adult model's eye gaze and head orientation on young infants' processing of a previously attended object. Infancy 19 (1), S. 53 - 64 (2014)
Hoehl, S.; Wahl, S.; Michel, C.; Striano, T.: Effects of eye gaze cues provided by the caregiver compared to a stranger on infants’ object processing. Developmental Cognitive Neuroscience 2 (1), S. 81 - 89 (2012)

(3) Warum imitieren Kinder auch nicht funktionale Handlungen?

Kinder lernen viele Dinge von anderen Menschen durch Imitation. Der Vorteil des Imitationslernens ist, dass Kinder somit auch Handlungen erlernen können, deren genaue Funktion sie noch nicht verstehen. Interessanterweise imitieren Kinder jedoch auch Handlungen, die ganz offensichtlich keine Funktion für die jeweilige Zielerreichung haben. Wir untersuchen, welche Motive Kinder haben, wenn sie offenbar funktionslose Handlungen nachahmen. Interpretieren sie diese Handlungen möglicherweise als Verhaltensnormen bzw. Spielregeln? Möchten sie ihre Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe oder einzelnen Personen demonstrieren? Oder spielt mangelndes Verständnis für Funktionen und kausale Relationen eine größere Rolle? Diese Forschung soll uns helfen, die transgenerationale Weitergabe von Ritualen besser zu verstehen, die ebenfalls in der Regel keine offensichtliche Funktion haben, jedoch für Inner- und Inter-Gruppenprozesse oft eine erhebliche Bedeutung haben.


Publikationen


Schleihauf, H.; Grätz, S.; Pauen, S.; Hoehl, S.: Contrasting social and cognitive accounts on overimitation: The role of causal transparency and prior experiences. Child Development (angenommen)
Hoehl, S.; Zettersten, M.; Schleihauf, H.; Grätz, S.; Pauen, S.: The role of social interaction and pedagogical cues for eliciting and reducing overimitation in preschoolers. Journal of Experimental Child Psychology 122, S. 122 - 133 (2014)

(4) Wie entwickelt sich das Handlungsverständnis in den ersten Jahren?

<div style="text-align: right;">© MPI CBS</div>

Indem Kinder Handlungen anderer Personen nachahmen, lernen sie ganz viel Neues. Allerdings imitieren Kinder nicht zwangsläufig alles was sie sehen. Manchmal scheinen Kleinkinder gezielt ungewöhnliche Handlungen zu imitieren, deren Sinn sie nicht nachvollziehen können. Wir untersuchen mittels EEG, wie Kleinkinder Handlungen wahrnehmen, die mehr oder weniger effizient sind. Wir fragen insbesondere, ob sie dabei den Kontext der Handlung berücksichtigen. Beispielsweise beobachten die Kinder, wie eine Person eine Lampe mit der Stirn anstatt mit der Hand betätigt. Die Hände der Person sind dabei entweder frei oder nicht, so dass der Grund für die eigentlich ineffiziente Handlung mehr oder weniger offensichtlich ist. Die Verhaltensforschung hat gezeigt, dass Kinder die ineffiziente Handlung insbesondere dann imitieren, wenn die Hände der Person frei sind, wenn also auch eine effizientere Handlung möglich gewesen wäre. Aber was geht dabei in den Köpfen der Kinder vor? Ab wann haben Kinder Erwartungen darüber ausgebildet, wie eine andere Person ein bestimmtes Ziel erreicht? Wundern sie sich, wenn sie eine ungewöhnliche Handlung nicht durch den Kontext erklären können?


Publikationen


Reid, V.; Höhl, S.; Grigutsch, M.; Groendahl, A.; Parise, E.; Striano, T.: The neural correlates of infant and adult goal prediction: evidences for semantic processing systems. Developmental Psychology 45 (3), S. 620 - 629 (2009)
 
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