Musik-evozierte Hirnplastizität

Einleitung

Die Forschung der Arbeitsgruppe Musik-evozierte Hirnplastizität untersucht die zentrale Rolle von Musik bei der Auslösung emotionaler Erfahrungen.

Wir gehen davon aus, dass die aktive Steuerung musikalischer Klänge – insbesondere in Verbindung mit hohem physiologischem oder kognitivem Aufwand – emotionale motorische Kontrollressourcen aktiviert, die mit der willkürlichen motorischen Kontrolle zusammenwirken.

Diese Form der musikalisch-motorischen Stimulation kann auf verschiedene Weise förderlich sein. Etwa für:

  • die Kompensation willkürlicher motorischer Kontrolldefizite nach neurodegenerativen Prozessen
  • die Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit bei anspruchsvollen Aufgaben
  • das Erleben von Emotionen in einem definierten und sicheren Rahmen bei Personen mit emotionalen Verarbeitungsstörungen
  • sowie die Verbesserung kognitiver Verarbeitungsprozesse

 

Forschungshypothese

Unsere zentrale Hypothese lautet, dass ein gezielt angeleitetes Embodiment musikalischer Handlungen die Grundlage für wirksame, neurowissenschaftlich fundierte Musiktherapie-Interventionen bildet.

Wir nehmen an, dass Aktivitäten, die musikalische Handlungsfähigkeit (also die bewusste Modulation von Klängen als Ziel) mit physiologischer oder kognitiver Erregung (arousal durch z. B. Fitness) verbinden, die emotionale Verarbeitung fördern. Unter definierten Bedingungen kann dies kognitive Funktionen, motorische Kontrolle und Lernprozesse positiv beeinflussen.

Dieser Effekt beruht wahrscheinlich darauf, dass musikalischer Ausdruck Kommunikationsmechanismen anspricht, die nicht vollständig bewusst gesteuert werden, sondern eng mit der emotional-motorischen Kontrolle (Holstege et al., 1996) verknüpft sind.

Die repetitive und zugleich angenehme Struktur musikalischer Klänge macht Musik zu einem idealen Mittel, um wiederholt neue Assoziationen zwischen Bewegung und Klang zu stimulieren.

 

Hauptforschungsbereiche

Am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig konzentriert sich unsere Arbeit auf die folgenden Forschungsfelder:

  • Erforschung der Neurologie und Neurochemie der Musikverarbeitung entlang der verschiedenen Stufen der Hörbahn
  • Messung der Effekte musikalischer Handlungsfähigkeit auf motorisches Lernen und Kognition
  • Analyse physiologischer Unterschiede zwischen motorischer Kontrolle mit und ohne musikalische Beteiligung
  • Entwicklung neuer musikbasierter Rehabilitations- und Lerntechnologien
  • Anwendung in klinischen Populationen, um die Übertragbarkeit der neu entwickelten musikalischen Embodiment-Technologien auf die medizinische Rehabilitation zu prüfen

 

Forschungsziele

Unsere aktuellen und zukünftigen Forschungsziele sind darauf ausgerichtet, das Verständnis musikinduzierter Plastizität und ihrer therapeutischen Potenziale weiter zu vertiefen:

  • Untersuchung des Level-Setting-Systems, das Erregung reguliert und das Zusammenspiel von willkürlicher und emotional-motorischer Kontrolle koordiniert
  • Analyse der Parameter, die emotionale Intensität in der Interaktion von Erregung und musikalischer Aktivität verstärken
  • Optimierung musikbasierter Interventionen für klinische Populationen mit Neurodegeneration, Bewusstseins- oder emotionalen Störungen

 

Kooperationen

  • Institute for Psychoacoustics and Electronic Music, University of Ghent
  • Department of Statistics and Operations Research, Institute of Mathematics, University of Granada, Granada, Spain
  • Department of Data Analysis, University of Ghent, Ghent, Belgium
  • Department of Human-Centered Information Systems, Technical University Clausthal
  • Department for Human Machine Interaction and New Media, University of Siegen
  • Department of Nuclear Medicine, University of Leipzig
  • Clinic for Cognitive Neurology, Leipzig University Hospital
  • Neurologisches Rehabilitationszentrum Leipzig
  • Department of Medicine, University of Dresden

 

 
Weitere Informationen

Die Aktivitäten der Arbeitsgruppe „Musik-evozierte Hirnplastizität“ zur Optimierung der Wirkung von Musik in der Rehabilitation haben zur Schaffung von zwei Patentfamilien rund um die JYMMiN-Technologie und zur Gründung des Max-Planck-Spin-offs JYMMiN GmbH geführt, das Produkte für Rehabilitationskliniken anbietet. Siehe auch die JYMMiN-Website. 

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