Gehirn mit farbigen Nervenbahnen

Ehemalige Abteilung Neuropsychologie

Die ehemalige Abteilung Neuropsychologie widmete sich der Erforschung der funktionellen Architektur der Sprache sowie ihrer neuroanatomischen Grundlagen im erwachsenen und sich entwickelnden Gehirn. Ziel der Abteilung war es, die neuronalen Mechanismen der Sprachverarbeitung und des Spracherwerbs umfassend zu entschlüsseln und deren funktionelle sowie strukturelle Organisation zu beschreiben.

Der Forschungsansatz der Abteilung war interdisziplinär und kombinierte verhaltensbasierte Verfahren mit modernen neurophysiologischen und bildgebenden Methoden. Zum Einsatz kamen insbesondere elektroenzephalographische (EEG) und magnetenzephalographische (MEG) Messungen zur Untersuchung der zeitlichen Dynamik sprachbezogener Gehirnaktivität. Durch die Verbindung dieser Verfahren mit der räumlich hochauflösenden Magnetresonanztomographie (MRT) entstand ein umfassendes Bild der funktionellen Neuroanatomie der Sprachverarbeitung. Ergänzend wurden Diffusionstensor-Imaging-Verfahren genutzt, um die strukturellen Verbindungen innerhalb des neuronalen Sprachnetzwerks zu analysieren.

Im Bereich der Neurokognition des Spracherwerbs wurden die neurophysiologischen Grundlagen phonologischer, lexikalischer und syntaktischer Prozesse untersucht, sowie deren Entwicklung und Reifung. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Reifung bestimmter Faserverbindungen im Gehirn entscheidend für komplexe syntaktische Prozesse ist. Darüber hinaus erforschte die Abteilung die neuronalen Grundlagen des Erwerbs natürlicher Grammatiken bei Erwachsenen und analysierte funktionelle sowie strukturelle Gehirnveränderungen während des intensiven Zweitspracherwerbs.

Aufbauend auf diesen Forschungsergebnissen entwickelte die Abteilung ein neurokognitives Modell des auditiven Sprachverstehens, das die zeitliche Organisation sowie die funktionelle Neuroanatomie syntaktischer, semantischer und lexikalischer Prozesse beschreibt. Das Modell postuliert, dass unterschiedliche sprachliche Prozesse auf spezialisierte Netzwerke insbesondere in der linken Hemisphäre zurückgreifen, während prosodische Verarbeitung vorwiegend in der rechten Hemisphäre stattfindet.

Die Abteilung beschäftigte sich darüber hinaus mit der Frage, wie sich das neuronale Sprachnetzwerk in der Evolution entwickelte. Neuroanatomische Vergleiche zwischen dem menschlichen Gehirn und dem von nicht-menschlichen Primaten legen nahe, dass sprachspezifische Regionen und deren Faserverbindungen zwischen diesen durch Expansion von Strukturen entstanden, die bereits im Gehirn von Menschenaffen vorhanden sind. Mit diesen Arbeiten konnte die Abteilung Neuropsychologie zu unserem Verständnis der neuronalen Basis von Sprache sowie deren Entwicklung und Evolution maßgeblich beitragen.

 

Das Team

  

Aktuelles aus der Abteilung

"Affen kommunizieren, Menschen haben Sprache"
Welche Hirnstrukturen und Gene beim Menschen den Unterschied machen, will Angela D. Friederici vom Max-Planck-Institut (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften zusammen mit Kollegen vom MPI für Evolutionäre Anthropologie herausfinden. Ein Gespräch über darüber, warum man bislang so wenig über die Unterschiede zwischen Mensch und Affe weiß – und warum selbst dieses Wissen durch neuere Erkenntnisse infrage gestellt werden könnte. mehr
Schule ohne Frust?
Ein Forscherteam um Dr. Michael Skeide aus der Abteilung Neuropsychologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig hat herausgefunden, dass sich bei der Gehirnentwicklung die Wahrscheinlichkeit für Legasthenie schon im Vorschulalter zeigt. Diese Daten könnten es möglich machen, betroffene Kinder früher zu fördern und ihnen so eine Menge Frust in der Schule zu ersparen, wie der YouTube-Reporter "MrWissen2go" im Video herausfindet. mehr
Kind liest ein Buch am Fenster.
Wer erforscht, wie Kinder Sprache lernen, stößt auf das Grammatikzentrum des Gehirns. Angela D. Friederici im Gespräch mit der ZEIT über Universalgrammatik und die Strukturen im Gehirn, die uns zu Sprache befähigen. mehr
Dieser Podcast mit Angela D. Friederici über ihr neuestes Buch "Language in Our Brain" liefert für Hörer jeden Hintergrunds einen spannenden Überblick zum Thema Sprache als rein menschliche Fähigkeit. Ein Gespräch über die frühen Erkenntnisse an Patienten mit Läsionen, moderne Methoden, die Lingustik und Neurowissenschaften zusammenbringen, und ein wachsendes Interesse an den Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Spracharealen. mehr
Bunte Visualisierung eines neuronalen Netzwerks neben einem Text, der eine neurowissenschaftliche Präsentation von Angela D. Friederici beschreibt.
Professor Angela D. Friederici erklärt auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Kognitive Neurowissenschaften in San Francisco die Strukturen im Gehirn, die die menschliche Sprache ermöglichen und einzigartig machen.
 
Ein detaillierter Gehirnscan, der bunte Nervenbahnen zeigt, während eine Person anatomische Diagramme aus einem Buch in der Nähe betrachtet.
Über mehrere Monate hinweg begleitete ein Filmteam  die Teilnehmer der Lang­zeit­studie zum Zweit­sprach­­wett­bewerb hier am Max-Planck-Institut. Der daraus entstandene Beitrag wurde am 19.1.2017 bei 3sat nano gesendet und kann in der Mediathek angeschaut werden.
Logo „αlpha forum“ mit einem roten vertikalen Balken auf schwarzem Hintergrund, der den Text hervorhebt.
Ein Gespräch über die Entwicklung der Sprache im Laufe unseres Lebens, ihre Arbeit als Vizepräsidentin der Max-Planck-Gesellschaft und die Bedeutung von Grundlagenforschung auf der Suche nach wirklich neuen Erkenntnissen.
Das BR alpha Forum lädt große Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, Religion und Kultur zu hintergründigen Zwie­gesprächen ein, in denen genügend Zeit für Details und Nuancen bleibt und nicht das kurze, mediengerechte Zitat zählt.

 

Neueste Pressemitteilungen der Abteilung

Otto-Hahn-Medaille für Katharina Menn und Malte Brammerloh

Bei der Jahresversammlung der MPG am 25. Juni 2025 wurde die Otto-Hahn-Medaille 28 mal vergeben, für herausragende wissenschaftliche Leistungen, die im Zusammenhang mit der Doktorarbeit erbracht wurden. In diesem Jahr erhielten Katharina Menn aus der Abteilung Neuropsychologie und Malte Brammerloh aus der Abteilung Neurophysik vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) zwei der begehrten Auszeichnungen. Hier beantworten sie im Kurzinterview drei Fragen zu ihrer Forschung.
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Nervenfasern für Sprache beim Schimpansen entdeckt

Die Sprachverarbeitung beim Menschen basiert auf der neuronalen Verbindung zwischen Spracharealen im Gehirn. Dieses Sprachnetzwerk, das den Informationsaustausch zwischen Nervenzellen ermöglicht, galt bisher als einzigartig für den Menschen. Nun haben Forschende eine wichtige Entdeckung zur evolutionären Entwicklung unserer Sprache gemacht: Unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften und in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie und dem Alfred-Wegener-Institut haben sie erstmals eine solche Verbindung im Gehirn von Schimpansen nachgewiesen und in der Zeitschrift „Nature Communications“ vorgestellt.
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Kernsprachnetzwerk während Evolution der Primaten von anderen Netzwerken getrennt

Die Entwicklung der Sprache beim Menschen im Gegensatz zu den kommunikativen Systemen anderer Primatenarten wird heftig diskutiert. Dank der Untersuchung der Hirnkonnektivität zwischen verschiedenen Primatenarten und durch die Annahme eines Rahmens, der für die Trennung der funktionellen Sprach- und Kommunikationsaktivierung beim Menschen vorgeschlagen wurde, argumentieren Angela Friederici und Yannick Becker vom MPI CBS in einem kürzlich in Nature Reviews Neuroscience erschienenen Korrespondenzartikel, dass das Kern-Sprachnetzwerk während der Primatenevolution neural von anderen kommunikationsrelevanten Netzwerken getrennt werden kann.

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Verbindungen im Schimpansengehirn sichtbar gemacht

Die Frage, wie sich das menschliche Gehirn im Laufe der Evolution entwickelt hat, kann womöglich nur durch Vergleiche mit unseren nächsten lebenden Verwandten, den Schimpansen, beantwortet werden. Eine frei zugängliche Karte aus hochauflösenden MRT-Daten, die zum ersten Mal die umfassende Gehirnstruktur von Schimpansen zeigt, haben Forschende vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften nun gemeinsam mit Kolleg*innen vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie und dem Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, in einer Studie in der Zeitschrift „Nature Methods“ vorgestellt.
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Babys bilden Gedächtnis für grammatische Beziehungen - auch ohne Schlaf

Bereits früh lernen Kinder, Dinge und Ereignisse zu benennen, aber auch, wie Wörter nach den Regeln ihrer Sprache kombiniert werden. WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) Leipzig und der Humboldt-Universität zu Berlin haben nun herausgefunden, dass sogar sechs Monate alte Babys Beziehungen zwischen sprachlichen Elementen im Gedächtnis speichern. mehr

Wie die Stimmung der Mutter die Sprachfähigkeit ihres Babys beeinflusst

Mit Babys in kindgerichteter Sprache zu kommunizieren, gilt als wesentliche Voraussetzung für eine gute Sprachentwicklung der Kleinen. Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften haben jetzt untersucht, wie sich die Stimmung von Müttern nach der Geburt ihres Kindes auf deren Entwicklung auswirkt. Dabei zeigte sich: Selbst Kinder, deren Mütter unter leichteren depressiven Verstimmungen leiden, die noch nicht medizinisch behandelt werden müssen, zeigen frühe Anzeichen einer verzögerten Sprachentwicklung. Grund dafür könnte die Art und Weise sein, wie die Frauen mit den Neugeborenen sprechen. Die Ergebnisse könnten helfen, mögliche Defizite frühzeitig zu verhindern. mehr

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