Leiterin

Dr. Charlotte Grosse Wiesmann
Dr. Charlotte Grosse Wiesmann
Postdoc (in Kooperation mit Universität Kopenhagen)
Telefon: +49 341 9940-127

Selbstständige Forschungsgruppen

Minerva-Fast-Track-Forschungsgruppe "Meilensteine früher kognitiver Entwicklung"

Die Gruppe beginnt am 1. September 2019 ihre Arbeit am Institut.

 

Meilensteine in der frühen Entwicklung

In den ersten Lebensjahren entwickeln Kinder bemerkenswerte kognitive Fähigkeiten. Im Alter zwischen zwei und vier Jahren entwickeln wir Menschen Denkfähigkeiten, mit denen wir Tiere in fast allen Bereichen des Denkens übertreffen. Kinder lernen Muster aus ihrer Umgebung zu extrahieren und zu abstrakten Regeln zu verallgemeinern. Sie lernen, komplizierte Handlungen mit Zwischenschritten zu planen und durchzuführen und erwerben ein komplexes symbolisches Kommunikationssystem, nämlich unsere Sprache. Besonders bedeutsam sind diese frühen kognitiven Leistungen im sozialen Bereich. Im Alter von vier Jahren besitzen Kinder bereits ein facettenreiches Bild von sich selbst und anderen und sind in der Lage, über abstrakte, unsichtbare Konzepte zu sprechen, wie über ihre eigenen Gedanken oder die Gedanken anderer. Diese Fähigkeit, eine Theorie der Gedanken zu formen, wird in der Forschung als Theory of Mind bezeichnet. Sie erlaubt es uns Menschen vorherzusagen, wie andere Menschen handeln werden, gezielt mit anderen zu kommunizieren in Abhängigkeit davon, was sie wissen oder nicht, und typisch menschliche Konzepte wie Ironie oder Moral zu entwickeln und zu verstehen. Als solche stellt die sogenannte Theory of Mind ein Markenzeichen des menschlichen Denkens und sozialen Verhaltens dar.

Unsere Forschungsfragen

Unsere Forschungsgruppe untersucht die kognitiven und neuronalen Entwicklungen, die das Erreichen dieser Meilensteine der menschlichen Kognition in der frühen Kindheit möglich machen. Wann und wie beginnen Kinder, die soziale und physische Welt in Form von abstrakten Konzepten, komplexen Regeln und Strukturen zu verstehen? Welche Rolle spielt die Gehirnreifung für die Entstehung dieser Konzepte? Ein zentraler Fokus unserer Gruppe liegt auf der Entwicklung der Theory of Mind und eines ausgereiften Selbstkonzepts. Sind diese Konzepte sprachabhängig oder können wir sie bereits im non-verbalen Verhalten von Säuglingen erkennen, bevor Kinder ihre Gedanken sprachlich ausdrücken können? Und ist diese Entwicklung domänen-spezifisch oder wird sie durch Entwicklungen in anderen kognitiven Bereichen (wie Sprache, Arbeitsgedächtnis oder exekutiven Funktionen) unterstützt?

Unsere Forschungsmethoden

Wir behandeln diese Fragen mit Verhaltens- und neurokognitiven Methoden wie interaktiven spielerischen Aufgaben, Eye-Tracking, funktioneller Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS), Elektroenzephalographie (EEG) und Magnetresonanztomographie (MRT). Mit der Kombination dieser Techniken wollen wir herausfinden, wann und wie sich unser typisch menschliches Denken und Sozialverhalten entwickelt.


Ausgewählte Referenzen


Grosse Wiesmann, C.; Schreiber, J.; Singer, T.; Steinbeis, N.; Friederici, A. D.: White matter maturation is associated with the emergence of Theory of Mind in early childhood. Nature Communications 8 (2017)
Grosse Wiesmann, C.; Friederici, A. D.; Singer, T.; Steinbeis, N.: Implicit and explicit false belief development in preschool children. Developmental Science 20 (5), e12445 (2017)
 
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