Lorenz Deserno erhält Hans-Heimann-Preis

Wissenschaftler des MPI Leipzig wird für herausragende Forschung im Fachgebiet Psychatrie und Psychoterapie geehrt

5. Dezember 2014

Lorenz Deserno, Wissenschaftler in der Max-Planck-Fellow-Gruppe "Kognitive und affektive Kontrolle von Verhaltensanpassung" unter Leitung von Dr. Florian Schlagenhauf, wurde für seine herausragende Promotionsarbeit im Fachgebiet Psychiatrie und Psychoterapie mit dem DGPPN-Promotionspreis gewürdigt.

Prof. Dr. Sabine C. Herpertz überreicht Dr. Lorenz Deserno den Hans-Heimann-Preis

Gemeinsam mit seinem Betreuer Prof. Dr. Dr. Andreas Heinz ist er für seine Forschung an biologischen Mechanismen kognitiver Defizite bei schizophrenen Patienten ausgezeichnet worden. Hierfür verwendete Herr Deserno moderne Methoden der funktionellen Bildgebung (fMRT & PET).

Zentrale Ergebnisse seiner Forschung sind der Nachweis einer verminderten Aktivierung des ventralen Striatums und einer reduzierten präfrontal-parietalen effektiven Konnektivität. Beide Befunde legen einen intermediären Phänotyp der Erkrankung nahe. Erste nachfolgende Arbeiten deuten daraufhin, dass mit Hilfe dieser Ergebnisse biologisch informierte und klinisch relevante Subgruppen schizophrener Patienten identifiziert werden könnten. Zu bemerken ist auch, dass in den Studien sowohl schizophrene Patienten mit als auch ohne antipsychotische Medikation untersucht wurden. Die Arbeit trägt damit wesentlich zu einem besseren neurobiologischen Verständnis kognitiver Defizite bei, welche für die klinische Prognose schizophrener Patienten von großer Bedeutung ist.

Die besondere Innovativität der Arbeit lag in der Nutzung mathematischer Modelle von belohnungsbasiertem Lernen und neuronaler Konnektivität für die Auswertung der Daten. Dieser neuartige Forschungsansatz wird als Computational Psychatry bezeichnet. Mit Hilfe von Computermodellen werden Zusammenhänge zwischen zwischen Gehirn- und Verhaltensveränderungen erkennbar gemacht.

Die Max-Planck-Gesellschaft engagiert sich in dieser zukunftsorientierten Forschung und hat gemeinsam mit dem UCL London im Frühjahr 2014 das Max Planck UCL Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research gegründet, welches u.a. von Prof. Arno Villringer, Direktor des MPI Leipzig geleitet wird.

Weitere Informationen dazu finden Sie hier: http://www.mps-ucl-centre.mpg.de/

Der Hans-Heimann-Preis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) wird jährlich zu Ehren von Prof. Dr. med. Hans Heimann vergeben. Der Preis ist mit insgesamt 24.000 Euro dotiert. Davon erhalten drei Tandems von Wissenschaftlern 8000 Euro. Gestiftet wird der Preis von Servier Deutschland GmbH.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) ist eine medizinische Fachgesellschaft. Sie wurde 1842 gegründet und zählt heute mehr als 7.700 Mitglieder. Damit ist sie die größte und älteste wissenschaftliche Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern, die in Deutschland auf den Gebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde arbeiten.

Mehr Information zur Gesellschaft unter: https://www.dgppn.de/dgppn.html

Zur Dissertation folgen Sie bitte diesem Link:
http://www.diss.fu-berlin.de/diss/receive/FUDISS_thesis_000000097157

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