Per Mausklick das Sprachnetzwerk erkunden

Eine neue Online-Veröffentlichung nutzt interaktive 3D-Visualisierung, um Ergebnisse der Grundlagenforschung besser fassbar zu machen.

24. Januar 2012

Je besser wir das Gehirn verstehen und je detaillierter seine Strukturen durch bildgebende Verfahren sichtbar gemacht werden, desto schwieriger wird es, den Überblick zu behalten. Die etwa 100 Milliarden Nervenzellen, aus denen das Hirn besteht, sind in einer Vielzahl abgrenzbarer Gebiete organisiert und kommunizieren über ein räumlich weitverzweigtes Netz aus Nervenfaserverbindungen.
Für die Online-Version eines wissenschaftlichen Übersichtsartikels von MPI-Direktorin Angela D. Friederici haben Mitarbeiter des Instituts eine Technik entwickelt, die es erleichtern soll, die komplexen anatomischen und funktionellen Verhältnisse im Gehirn nachzuvollziehen. In dem Artikel stellt die Leiterin der Abteilung Neuropsychologie Entdeckungen aus der neurowissenschaftlichen Erforschung der menschlichen Sprachfähigkeit vor.
Die Areale und Verbindungen, von denen dabei die Rede ist, findet der Leser in einem virtuellen Gehirn neben dem Text wieder. Die interaktive Visualisierungssoftware macht es möglich, die beschriebenen Inhalte Schritt für Schritt in 3D nachzuvollziehen. So lässt sich weit genauer und anschaulicher als bei einer statischen Abbildung erfassen, wie sich das Netzwerk der Sprache, das Verfahren wie funktionelle und die diffusionsgewichtete Magnetresonanztomografie in den letzten Jahren enthüllt haben, durch unser Gehirn zieht.
Nach Ansicht der Entwickler wären weitere Einsätze für die Software denkbar. Sie könnte ohne großen Aufwand in andere wissenschaftliche Online-Veröffentlichungen, aber auch in Vorträge oder in die akademische Lehre integriert werden. Die Darstellungsweise ist, je nachdem, welche Daten veranschaulicht werden sollen, anpassbar.
Hier kann man die Visualisierungssoftware ausprobieren: http://onpub.cbs.mpg.de/ Für das Programm benötigen Sie Chrome oder mindestens Firefox 8. Internetexplorer wird derzeit nicht unterstützt.
  

Mithilfe von WebGL, einer Anwendung, die 3D-Inhalte direkt im Browser darstellt, lässt sich die Visualisierung unmittelbar neben dem Text einbinden.
Durch Checkboxen können einzelne Verbindungen und Oberflächen ein- und ausgeblendet werden.
Mit den Slidern lassen sich die Schnittebenen verschieben; mit gedrückter linker Maustaste kann das Modell gedreht und mit der mittleren Taste verschoben werden. Mit dem Mausrad kann stufenlos gezoomt werden.
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