Über das Menschsein - Drei Tage Austausch, Freidenken, Horizonterweiterung

2. August 2016

Was macht uns zum Menschen? Darüber tauschten sich 150 renommierte Wissenschaftler und Doktoranden verschiedenster Disziplinen aus mehr als 30 Ländern während der diesjährigen Summer School der Doktorandenschule IMPRS NeuroCom am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig aus.

Daniel Margulies vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) erklärt in einem der Workshops die Methode der Resting State fMRT.

Im Gegensatz zu anderen Spezies sind wir Menschen in der Lage, unser Wissen an zukünftige Generationen weiterzugeben. Unser kultureller und technologischer Fortschritt wären ohne unsere Fähigkeit zur Sprache undenkbar. Auch für die Gäste der gleichnamigen Podiumsdiskussion, dem Auftakt der diesjährigen IMPRS Summer School, stand fest, dass die unsere Sprache eines der entscheidenden Merkmale ist, die ‘uns zum Menschen macht’.

Von anderen Tierarten, Makaken beispielsweise, wissen wir zwar, dass auch sie einzelne Ruflaute zur Kommunikation benutzen. Jedoch hat nur der Mensch ein komplexes System entwickelt, mit dem er die einzelnen Bausteine von Sprache nach bestimmten Regeln immer wieder neu miteinander kombinieren kann, um so neue Inhalte und komplexe Sachverhalte wiederzugeben.

Im Zentrum der Podiumsdiskussion stand daher die Frage, welcher evolutionäre Schritt in unserer Sprachentwicklung der entscheidende vom nicht-menschlichen zum menschlichen Primaten ist. Die Neurowissenschaftlerin Angela D. Friederici vom MPI CBS mit dem Primatenforscher Chris Petkov von der Universität Newcastle sei dieser möglicherweise erst durch ein weiterentwickeltes perisylvanisches Netzwerk und seinem Broca-Areal im menschlichen Gehirn möglich gewesen.

Was macht uns menschlich? Diese Frage zog sich auch in den darauffolgenden Tagen durch die Vortragsreihen zu künstlicher Intelligenz, Bewusstsein oder vergleichender Psychologie im bis auf den letzten Platz besetzen Hörsaal.

Doch nicht nur inhaltlich kamen die Teilnehmer so auf ihre Kosten, sondern auch in methodischer Hinsicht. So boten sich ihnen in zahlreichen Workshops – sei es zur Echtzeit-fMRT oder der transkraniellen Magnetstimulation – die Möglichkeiten, sich auf den neuesten Stand neurowissenschaftlicher Methoden zu bringen.

Krönenden Abschluss bildete die Auszeichnung des besten wissenschaftlichen Posters, auf dem die Teilnehmer ihre aktuelle Forschung vorstellten. Diese ging in diesem Jahr an Liron Rosenkrantz vom Weizmann Institute of Science in Israel. Sie konnte mit einem einfachen Riechtest zeigen, dass es eine Verbindung zwischen dem Geruchssinn und der Autismus-Spektrum-Erkrankung gibt. Mit dem institutsinternen Posterpreis wurde Ahmad Seif Kanaan ausgezeichnet, der in seiner Promotion die Rolle von Glutamat bei Gilles de la Tourette-Patienten beleuchtet.

"Für die Debatte, was uns zum Menschen macht, ist aus der Sicht der Sprache besonders interessant, wann im Laufe unserer Entwicklung wir die Fähigkeit erwerben, komplexe sprachliche Zusammenhänge zu verarbeiten, die als Vorläufer des grammatikalischen Wissens bei Erwachsenen gelten", so IMPRS NeuroCom Doktorandin Marina Winkler, die sich in Studien mit Säuglingen mit der Verarbeitung komplexer Regeln in künstlichen Grammatiken beschäftigt. Die Summerschool haben einen exzellenten interdisziplinären Raum für diese Fragen geboten.

Und IMPRS-Koordinatorin Veronika Krieghoff fügt hinzu: "Die Vorträge und Workshops sind das eine, was unsere Summer School zu einer wahren Bereicherung macht." Als mindestens genauso bereichernd würden die Teilnehmer auch den lockeren Austausch mit vielen bekannten Größen der Neurowissenschaft oder anderer Disziplinen empfinden, mit denen sie selten in so ungezwungenem Rahmen wie bei einem lauschigen Barbecue plaudern könnten.

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